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ERNTEDANK 2020

Bei strahlendem Wetter fanden sich am Sonntag den 4. Oktober zahlreiche Besucher, zur Segnung der Erntekrone und der Erntegaben, auf dem Hauptplatz ein. Einen besonderen Rahmen bildeten die vielen Kinder, die Goldhaubenfrauen und die Stadtmusikkapelle, die auch den Einzug in die Kirche begleiteten. Pfarrer i.R. Johann Zarl und Diakon Manuel zelebrierten den ganz besonders feierlichen Dank-Gottesdienst.

Auf dem Vorplatz wurde, für alle die in der Kirche nicht mehr Platz fanden, Sessel aufgestellt und mittels eines Fernsehers, mit Bild und Ton, die Feier nach außen übertragen.

Ein ganz besonderer Dank gilt den Organisatoren, allen voran der Dorfgemeinschaft Altenhofen um Maria Hagler und Karl Schönauer für die vielen Stunden der Vorbereitung! Danke auch dem Team des Willkommensdienstes und den vielen Helfern die für den reibungslosen Ablauf verantwortlich zeichnen. Bei den derzeitigen gesetzlichen Vorgaben eine Herausforderung!

Der Kirchenschmuck ist, wie immer eine Augenweide, gespickt mit vielen feinen Details. Wir laden Sie ein, besuchen Sie die Kirche in den nächsten Tagen, es lohnt sich (immer)!


Danke Renate Steffelbauer für die Fotos!

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„Und Sie, kennen Sie Christus?“ Impusgedanken zum 27. Sonntag im Jahreskreis

27. Sonntag im Jahreskreis 2020 Impulsgedanken zu Mt 21,33-42.44.43

„Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.“ (Mt 21, 41)

Ich gehöre der Generation an, in deren Kinder und Jugendzeit das Ende des 2. Weltkrieg etwa 40 Jahre zurücklag. Ich kann mich noch gut erinnern, dass Erwachsene in meiner Gegenwart Kraftausdrücke gebraucht haben,die ich heute nicht einmal niederschreiben möchte.

Manche dieser Kraftausdrücke haben sich sehr abfällig über Juden geäußert. Erst als ich dann im Erwachsenwerden über die versuchte Vernichtung der Juden im Weltkrieg erfuhr, verstand ich die Zusammenhänge: Die Sprache der Erwachsenen war geprägt die durch die Sprache der Zeit,die sie selber in der Kinder- und Jugendzeit erlernt haben, – auch geprägt in der Abfälligkeit über das jüdische Volk.

Es gehört zu den dunklen Kapiteln in unserer Kirchengeschichte, das im Laufe der Jahrhunderte Unheil über Juden immer wieder kam (-oder zumindest geduldet) – auch durch die Kirche. Sehr traurig ist es ebenso, dass viele meinten und immer noch behaupten, sie können sich dabei auch auf die Heilige Schrift berufen, wenn sie einzelne Verse der Hl. Schrift aus dem Zusammenhang reißen. Nein, Gott hat keine Freude an der Vernichtung seines Volkes, „das er zuerst erwählt hat“ (vgl. Röm 11,2!).

Jesus Christus war von seiner Abstammung her Jude, daher meine Anregung:

Nehmen sie die Heilige Schrift zur Hand und nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und blättern Sie darin, vor allem im Alten Testament, den das war für Jesus zu seiner Zeit die ganze Hl. Schrift. Bleiben Sie bei dem was sie anspricht und beten Sie.  Bedenken sie das Wort des Kirchenlehrers Hieronymus:

„Die Hl. Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen“

Und Sie, kennen Sie Christus? 

Pfr. Herbert Reisinger

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Erstkommunion 27. September 2020

Nachdem coronabedingt der Termin in den Herbst verlegt wurde, strahlte an diesem Sonntag sogar die Sonne mit den Kindern um die Wette!

Begleitet von der Stadtkapelle St. Valentin, zogen 18 Mädchen und 17 Buben von der Volksschule, gemeinsam mit ihren Angehörigen, in die Pfarrkirche ein. Dort begrüßte Pfarrer i.R. Johann Zarl alle Besucher und zelebrierte, unterstützt von Diakon Manuel, den feierlichen und sehr stimmungsvollen Gottesdienst. „Jesus – Brot des Lebens“ war das Motto, zu dem die Kinder ihre Themen vorbereitet hatten. Musikalisch umrahmt wurde die Feier, in bewährter Art und Weise, von Gerti Lischka mit Ihren MusikerInnen.  Am Ende des Gottesdienstes durften die Kinder das erste Mal die heilige Kommunion empfangen.

Unser ganz besonderer Dank gilt Religionslehrerin Veronika Scheuchenegger, den Tischmüttern, den Lehrerinnen und allen Helfern, die trotz der derzeit schwierigen Umstände die Vorbereitung und den Ablauf organisiert haben!

Ein bisschen „Normalität“ war wieder in der Kirche zu spüren….

Ein herzliches Dankeschön der Firma Foto Rußkäfer aus Steyr für die zur Verfügung gestellten Bilder!

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„Spieglein, Spieglein an der Wand…..?“

Diakon Manuel Sattelberger

Sonntagsgedanken zum 26. Sonntag im Jahreskreis A

Im berühmten Märchen von Schneewittchen und den 7 Zwergen heißt es: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Ich bin kein Märchenonkel und erzähle euch auch keine G’schichteln, trotzdem möchte ich euch einen Spiegel anbieten mit dem neuen Reim: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer sind wir in Gottes Hand?“

            Papst Franziskus hat in seinem Schreiben Evangelii Gaudium, auf Deutsch ‚Die Freude am Evangelium’, den Predigern ins Stammbuch geschrieben, dass jede gute Predigt eine Idee, ein Gefühl und ein Bild enthalten muss! Um also ein guter Prediger zu sein, habe ich heute das Bild des Spiegels gewählt! Spiegel begleiten nicht nur eitle oder auf ihr gutes Aussehen bedachte Menschen, sondern jeden einzelnen von uns! Der Spiegel zeigt uns, wie wir zumindest äußerlich gerade ausschauen/dreinschauen…

            Mir scheint, dass uns Jesus im heutigen Evangelium auch so einen Spiegel vorhalten möchte mit der Frage: In welcher Person spiegelst du dich, wo spiegelt sich dein Leben wider?

            Wir hören heute aus dem Mund des Gottessohnes ein Gleichnis, ein Bildwort, Jesus vergleicht! Er erzählt uns von einem Mann zu biblischer Zeit der zwei Söhne hat! An beide Söhne ergeht dieselbe Bitte um Mitarbeit in seinem Weinberg!

            Liebe Schwestern und Brüder, haben Sie jetzt bitte immer das Bild des Spiegels im Hintergrund meiner Gedanken! Da gibt es den Sohn Nummer Eins, der sagt: Ja, Ja Papa, mach ich schon – tut aber nichts dergleichen. Ein Faulsack, ein Blender, der seinem Papa nicht folgt! Sohn Nummer Zwei, sagt: Nein, kannst du selber machen! Mit der Zeit reut es ihn und sein vorschnelles ‚Nein‘, wird zu einem ‚Ja’ und geht doch, sagen wir mal mit Startschwierigkeiten, „butteln“ in den Weinberg!

            Und jetzt die gipfelnde Frage Jesu: Wer von den beiden Söhnen hat den Willen des Vaters erfüllt? Klare Antwort: Sohn Nummer Zwei! In welchem Sohn findest du dich heute wieder? Im Ersten, dem Ja-Ja-Sager oder im Zweiten der anfänglich ‚sicher nicht’ sagt und dann doch der Bitte seines Vaters nachkommt!

            Wenn du heute in den Spiegel schaust den dir Jesus jetzt vor dein Gesicht hält, WER bist du? Ich für mich, finde mich, ein bisserl in beiden Söhnen wieder. Mir fallen viele Situationen ein, wo ich dem ersten Sohn gleiche, aber auch dem zweiten Sohn!

Was möchte uns Gott heute, jetzt und hier mit diesem Evangelium das uns Matthäus überliefert hat, sagen?

  • Der Ruf Gottes in seinem Weinberg zu arbeiten ergeht an jeden von uns – ohne Ausnahme!
  • Und auch wenn heute nur von ‚Söhnen’ die Rede ist so meint Jesus mit 100 % Sicherheit auch die ‚Töchter’ Gottes. Wir alle sind aufgerufen mit unserem Leben auf diese Frage Gottes zu antworten.
  • Versteht mich nicht falsch! Im ‚Weinberg Gottes’ zu arbeiten heißt nicht in erster Linie einen geistlichen Beruf anzustreben, oder in einem Kloster zu leben! Mit dem ‚Weinberg Gottes’ ist unser ganz konkretes Leben gemeint – so wie es ist – ohne Beschönigung, ohne sich oder anderen etwas vorzumachen! Bekommt Gott von dir (heute) ein ‚Ja, ja!’ oder ein ‚Nein, sicher nicht!’.

            Trostvoll am heutigen Evangelium ist, dass Gott auch ein ‚Nein’ akzeptiert, aber jeder auch die Freiheit besitzt sein Handeln, dein Leben, seinen Weg, egal was auch immer, dass jeder die Möglichkeit hat aus seinem anfänglichen (mündlichen) ‚Nein’ ein tatkräftiges ‚Ja!’ werden zu lassen!

            Ist es nicht auch mit unseren Lebensschicksalen so? Gott oder ‚das Schicksal’, wie viele sagen, mutet uns Menschen oft viel zu! Oft zu viel! Die Frage besteht darin: Sage ich ‚Ja!’ oder ‚Nein!’ zu meinen Lebensschicksalen? Wir haben die Wahl a) daran zu zerbrechen oder b) es auch wenn es unheimlich schwer und schmerzhaft ist anzunehmen, im Vertrauen, dass Gott (s)einen Plan hat!

            Liebe Schwestern und Brüder! Spieglein, Spieglein an der Wand, wer sind wir in Gottes Hand? Die Antwort die uns das heutige Evangelium gibt ist folgende: Wir sind Gottes Söhne und Töchter, berufen ihm im Weinberg unseres Lebens zu dienen! Gott zwingt uns nicht! Denn wer liebt verabscheut den Zwang! Wirkliche Liebe, ein ehrliches ‚JA!’ gibt es nur in Freiheit!

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Wir RADLn in die Kirche

Viele nutzten das schöne Wetter und kamen heute mit dem Fahrrad in die 10 Uhr Messe. Auch Helmi Heszle kam wie gewohnt mit dem Fahrrad und wurde mit Geburtstagsgrüßen und Glückwünschen zu ihrem „Runden“ überrascht! Sie hat viele Jahre besonderen Anteil am Kirchenschmuck und ist immer zur Hand, wenn man ihre Hilfe braucht. Vergelt´s Gott dafür! Pfarrgemeinderatsobmann Stv. Rudi Hiebl gratulierte und informierte auch über die aktuelle Situation betreffend Corona Maßnahmen.

Nach der Messe wurde die Fahrräder von Pfarrer i.R. Johann Zarl gesegnet!

Danke Renate Gottwald-Hofer und Hanspeter Lechner für die Fotos!

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Anbetungstag am Freitag 2. Oktober 2020

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Dirndlgwandsonntag 2020

Die Volkskultur Niederösterreich und die Partner der Initiative „Wir tragen Niederösterreich“ riefen bereits zum 12. landesweiten Dirndlgwandsonntag auf. Diesmal stand dieser besondere Tag unter dem Motto „Kultur tragen“. In diesen krisengeschüttelten Zeiten sind Sicherheit und Verlässlichtkeit besonders gefragte Werte, die auch der Volkskultur Niederösterreich und ihren Partnern ein großes Anliegen sind.

Gefeiert wird der Dirndlgwandsonntag bei uns traditionell in der Sonntagsmesse, immer rund um den 13. September, dem Festtag der Heiligen Notburga. Sie gilt als Schutzpatronin für Mägde, Bauern und Dienstboten, die immer in Tracht dargestellt wird.

Danke den „Vorstadtgeigern“ für die Musikalische Begeleitung der Messe!

Danke Hanspeter Lechner für die Fotos!

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner

„Am Dirndlgwandsonntag geht es im Grunde um bewusste Wertschätzung unseren unverwechselbaren Traditionen gegenüber. Das „Dirndlgwand“ steht in diesem Zusammenhang für das landesübliche Gwand. Trachten sind edel und schön und „kleiden Mandl und Weibl“, wie es im Volksmund so treffend heißt“

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Taize-Gebet „on tour“

Auch unsere Taize-Gebete „on tour“ starteten wieder, mit viel Abstand, konnten wir wunderbar in der großen Langenharter Kirche singen und beten. Pfarrer Reisinger predigte kurz über das Thema Versöhnung und Schuld, jeder Mensch muss seinen Umgang damit finden, Jesus möchte uns behilflich sein! Kirchenmusiker Peter Moser begleitete uns gekonnt musikalisch und dirigierte mit sehr viel Freunde die Kanon-Gesänge von Taize. Pfarrhelferin Monika Gundendorfer und Team gestalteten den Kirchenraum mit Kerzen, Licht und Tüchern. Wir freuen uns über den guten Besuch, aus allen Pfarren unseres neuen Pfarrverbandes und darüber hinaus, sind Menschen gekommen!

Das nächste Taize-Gebet findet am Sonntag, 8. November um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Pantaleon statt. Das übernächste wahrscheinlich Mitte Jänner 2021 in der Pfarre St. Valentin. Alle Generationen sind willkommen!

Danke Manuel Sattelberger für Text und Fotos!

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Jungscharstart 2020

Es ist Gott sei Dank wieder was los im Pfarrhof!!!!

Heute starteten die Jungschar und die Singing Valenteenis in die nächste Saison! Mit Abstand – Einfach SUPER!

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Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben…

In jener Zeit Mt 18,21-35:
trat Petrus zu Jesus
und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben,
wenn er gegen mich sündigt?
Bis zu siebenmal?
Jesus sagte zu ihm:
Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal,
sondern bis zu siebzigmal siebenmal.
Mit dem Himmelreich
ist es deshalb wie mit einem König,
der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen.
Als er nun mit der Abrechnung begann,
brachte man einen zu ihm,
der ihm zehntausend Talente schuldig war.
Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte,
befahl der Herr,
ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß,
zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie
und bat: Hab Geduld mit mir!
Ich werde dir alles zurückzahlen.
Der Herr des Knechtes hatte Mitleid,
ließ ihn gehen
und schenkte ihm die Schuld.
Als nun der Knecht hinausging,
traf er einen Mitknecht,
der ihm hundert Denáre schuldig war.
Er packte ihn, würgte ihn
und sagte: Bezahl, was du schuldig bist!
Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder
und flehte: Hab Geduld mit mir!
Ich werde es dir zurückzahlen.
Er aber wollte nicht,
sondern ging weg
und ließ ihn ins Gefängnis werfen,
bis er die Schuld bezahlt habe.
Als die Mitknechte das sahen,
waren sie sehr betrübt;
sie gingen zu ihrem Herrn
und berichteten ihm alles, was geschehen war.
Da ließ ihn sein Herr rufen
und sagte zu ihm: Du elender Knecht!
Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen,
weil du mich angefleht hast.
Hättest nicht auch du
mit deinem Mitknecht
Erbarmen haben müssen,
so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern,
bis er die ganze Schuld bezahlt habe.
Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln,
wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.

Vergebung ist gelebte und erlebte Liebe!

Meinhard Feichtner

Mt 18,21-35: Dieses Evangelium gehört nicht zu meinen Lieblingstexten aus der Bibel, ehrlich gesagt, es ärgert mich sogar. Am liebsten möchte ich zu Jesus sagen: Meinst du nicht, dass du ziemlich übertreibst? So  abscheulich handelt doch kein Mensch! Das ist pure Provokation!

Was Jesus aber verlässlich mit Petrus und dem Gleichnis erreicht – auch bei mir – ist  die Überzeugung, dass ihm Verzeihen, Vergeben ganz wichtig ist. Es ist das einzige Thema, zu dem er wirklich harte Worte findet. Siebzigmal siebenmal, das ist maßlos, ohne Einschränkung. Die frohe Botschaft: so verzeiht Gott! Mir und dir und jedem Menschen!

Die Herausforderung: auch wir sollen so verzeihen – und das fällt uns sicher mehr als schwer! Aber, und das ist mein Lieblingswort und meine feste Überzeugung: bei Gott zählt in all unserem Tun der Versuch, nicht das Gelingen!

Kein  Mensch kommt durch das Leben, ohne  andere zu verletzen und ohne selbst verletzt zu werden. Deshalb ist es so wichtig, einander zu verzeihen und sich dadurch auch nach schweren Verletzungen immer wieder zu öffnen für das Leben —

Unversöhntheit ist wie ein Staudamm, der den Fluss der Liebe und des Lebens zum Stillstand bringt. Sie blockiert die Beziehung zu Gott, zu mir selbst und zum Mitmenschen.

Meistens denken wir beim Wort Verzeihen gleich an die Mitmenschen. Tatsächlich gilt es auch mir selbst zu verzeihen – und das ist gar nicht leichter!

Warum habe ich das getan? Das hätte ich einfach nicht sagen dürfen! Warum habe ich dies und jenes Gute nicht getan, bin einem Menschen nicht genügend beigestanden, usw. Solche Vorwürfe können uns endlos verfolgen! Oft genug kommt heraus: ich sollte  nicht so sein, wie ich bin, verurteile mich als ganze Person. Und dabei handelt es sich – von außen betrachtet – oft echt um Banalitäten —-

Was unsere Probleme mit den  Mitmenschen betrifft, so müssen wir genau hinschauen. In manchen Situationen, wenn  z.B. Verletzungen andauern, ist zunächst Handlungsbedarf, muss Selbstschutz vorausgehen, bevor Verzeihen überhaupt ein Thema sein kann.

Wesentlich ist, mir bewusst zu machen: von meiner Unversöhntheit ist nicht in erster Linie der/die andere betroffen, die Wunde klafft in meinem Herzen, mein eigenes Herz bedarf der Heilung, deshalb tue ich, wenn ich verzeihe, zunächst einmal vor allem mir selbst etwas Gutes!

Verzeihen ist nie etwas Punktuelles, etwas was ich angehe und erledige, Verzeihen ist immer ein Prozess:

Am Anfang steht die Absicht zu verzeihen. Also bewusst zu sagen: ich will diesem Menschen (das kann eben auch ich selber sein) verzeihen. Schon bis dahin kann es ein  weiter Weg sein. Trotzdem steht die Absicht zu vergeben, noch in unserer Freiheit; den Groll zu beseitigen dagegen nicht.

So wird ein zweiter Schritt notwendig: ich schaue meinen Schmerz an, gebe meinen Groll, meine Wut zu: Ich habe vergeben, doch der Groll ist noch da. Ich spüre ihn weiterhin. Gefühle kann man nicht ändern, man verdrängt sie sonst und dann treiben sie im Unbewussten ihr Unwesen. Ebenso wenig werden Groll, Zorn, Bitterkeit, Selbstmitleid — durch die ständige Beschäftigung mit ihnen geheilt. Das ist wie Bohren in einer Wunde!

Hilfreich sind beim Umgang mit diesen schmerzhaften Gefühlen jeweils 3 Schritte:

  • Wahrnehmen: In meine Tiefe spüren und die schmerzhaften Gefühle bewusst wahrnehmen. Sie wenn möglich auch benennen.
  • Zulassen: Gefühle sind einfach eine Realität, ich suche sie mir nicht aus. eine Realität akzeptiere ich am besten so wie sie ist: Liebe Gefühle, ich mag euch nicht unbedingt, aber ihr gehört halt momentan einfach zu mir. Ihr dürft also da sein. Mein inneres Haus ist groß, bewegt euch da ganz frei —
  • Loslassen und in die Gegenwart zurückkehren: Aber ich brauche mich jetzt gedanklich mit euch nicht zu beschäftigen (das verstärkt den Groll nur). Am besten übergebe ich meine Wunde, meinen Schmerz an dieser Stelle Jesus zur Heilung – und kehre gleichzeitig in die Gegenwart zurück. Was ist jetzt dran: Arbeit, Gespräch, Freizeitbeschäftigung — Dem widme ich mich ganz!

Es genügt nicht, diese Schritte des Verzeihens einmal zu setzen, ich muss sie immer wieder tun. Je schwerwiegender die Sache ist, desto öfter. Dazu ist ganz viel Geduld mit mir selber notwendig! Aber nur so kann der Groll Stück für Stück abgetragen, erlöst werden, immer weniger belasten, sich schließlich ganz auflösen. Dann haben wir von Herzen vergeben, sind wir aus der Gefangenschaft unserer Abneigung und unserer Revanchegefühle befreit.

Zu Gott darf ich so kommen, wie ich bin, vor ihm darf ich da sein auch mit meiner Not, schwer verzeihen zu können, aber ich soll das Thema Verzeihen nicht ausblenden. Allerdings kann und darf es lange dauern, bis ich so weit bin.

Und die frohe Botschaft: Menschen mit einem versöhnten Herzen haben eine ungeheure Kraft von innen heraus, sie bewirken eine Atmosphäre des Friedens. Verzeihen lehrt uns die Kunst immer wieder neu anzufangen!

Ihre Schwester Huberta Rohrmoser

Marienschwestern von Karmel, Kl. Erla