Autor: Rudolf Hiebl
Impuls 6. Sonntag im Jahreskreis
Impuls 6. Sonntag im Jahreskreis B
Evangelium: Mk 1, 40-45
Abstand halten
„Abstand halten.“ hatte der Priester gesagt und war einen Schritt zurückgetreten. „Abstand halten.“ Die Worte dröhnten in seinen Ohren. Wie in Zeitlupe waren in diesem Augenblick die letzten Wochen an ihm vorübergezogen. Angefangen hatte es damit, dass ein Kollege ihn gemustert hatte und meinte: „Du hast da etwas.“ „Du musst zum Priester und es zeigen. So steht es bei Mose im Gesetz. Der Priester muss es ansehen. Er muss entscheiden, was es ist und ob du rein bist oder unrein.“
So war es bei ihnen üblich. War die Haut verändert wurde ein Mensch unter Generalverdacht gestellt. Es konnte alles sein, natürlich. Es konnte auch ganz harmlos sein. Aber es konnte eben auch die Krankheit sein, Aussatz.
War es Aussatz, dann würden die Stellen auf der Haut immer mehr und grösser werden. Er würde keinen Schmerz mehr fühlen. Keine Wärme. Keine Kälte. Keine Berührungen. Er würde langsam von der Krankheit aufgefressen werden. Aussatz. Das war ein Todesurteil, das über Jahre vollstreckt wurde.
Er hatte sich dem Priester gezeigt. Nach einer Woche nochmals. Und dann hatte ihn der Priester durchdringend angesehen. „Du bist unrein. Du hast Aussatz. Du darfst dich anderen Menschen nicht nähern. Du musst außerhalb des Dorfes leben. Du musst andere Menschen vor dir warnen. Du musst Abstand halten.“
Quarantäne lebenslänglich. Ab sofort. Er lebte noch. Aber für die anderen in seinem Dorf war er mit diesem Tag gestorben.
Natürlich will er keinen anstecken. Natürlich ist es sinnvoll, Abstand zu halten. Es ist völlig klar, dass keiner Menschenseele damit geholfen ist, wenn sich sein Leiden auf andere ausbreitet. Keine Frage, die Vorkehrungen und Vorsichtsmaßnahmen sind lästig. Na sicher, es ist logisch, dass sich nicht alle einig sind, wie gefährlich es jetzt wirklich ist, solange man nichts Genaueres weiß. Und selbstverständlich macht es Sinn, vorsichtig zu sein.
Aber die Angst in den Augen der anderen ist schlimm.
Angst steckt an wie ein Virus. Die Verbündete der Angst ist die Ratlosigkeit. Ihre Nahrung ist das Halbwissen. Das Tuscheln und Tratschen mästet die Angst bis sie zu übermächtiger Größe anschwillt. Mit Verschwörungstheorien versteht sie sich blendend. Von Verhältnismäßigkeiten und von Augenmaß will sie nichts wissen. Gegen vernünftige Argumente ist sie immun. „Du bist eine Infektionsquelle“, flüstert die Angst, „und kein Mensch.“
Er hält Abstand. Kein Händeschütteln mehr. Keine Küsse zur Begrüßung. Keine Geselligkeit. Alles das, was bisher im Zusammenleben selbstverständlich war, ist aufgehoben. Seine Sehnsucht nach Nähe wird von Tag zu Tag grösser. Gerade in Not und Angst wächst der Wunsch nach Berührungen.
„Abstand halten.“ Das war die Devise bis zu diesem Tag. An diesem Tag war für ihn alles anders geworden. Draußen vor dem Dorf war ein Mensch unterwegs gewesen, wie so oft Menschen draußen vor dem Dorf vorbeikamen. Er hatte Abstand gehalten und den anderen vor sich gewarnt, wie immer. Doch auf einmal hält er inne.
Er, der schon lange nichts mehr gefühlt hatte, spürt es deutlich.
Soll er es wagen? Soll er sich nähern? Nähe ist ein Wagnis. Immer. Aber in seinem Fall gilt das besonders. Ihm ist, als hätte der andere seine Antwort schon gesprochen, bevor er überhaupt gedacht hat. Er nähert sich. Er fällt auf die Knie, bittet Jesus und sagt: Wenn du willst, kannst du mich rein machen.
Jesus kommt ihm nahe. Er streckt seine Hand aus und berührt ihn. Das ist unvernünftig. Er könnte sich anstecken. Es ist gegen alle geltenden Regeln. Das ist unglaublich. Durch Jesu Mitleid wird er wieder Mensch. Es ist unfassbar. Was für Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich. Da, wo Menschen zum Abstand gezwungen sind, lässt sich Gott von der Not berühren. Seine Liebe fügt das, was zerbrochen war, wieder zusammen und macht Menschenseelen heil. Seine Nähe verbindet, was getrennt war.
Freude, große Freude! Gott ist nah! Er hat es erfahren. So etwas kann kein Mensch für sich behalten. Auch er nicht. Seine Geschichte von der Berührung Gottes, die hat er weitergetragen und andere damit berührt. Er hat von Gottes Nähe erzählt. Immer wieder und immer weiter. Bis heute.
Monika Gundendorfer
Endlich wieder…!
Am Sonntag den 7. Februar durften wieder Gottesdienste stattfinden! Beide Messen in unserer Statpfarrkiche waren gut besucht gab es doch einiges zu feiern. Lichtmess (Darstellung des Herrn) mit Segnung der Kerzen, den Blasius Segen und den vierzigsten Geburtstag unseres Diakon Manuel Sattelberger.
Trotz aller Vorgaben, wie zwei Meter Abstand und Maskenpflicht konnte man die Freude „Endlich wieder eine Messe“ spüren.
Hoffentlich bleibt uns ein neuerliches schließen der Gotteshäuser erspart, es fehlt so vieles….
Berühren ohne Berührung – Die Weihnachtszeit in Erla in Zeiten der Pandemie
Wie kann man die Advent- und Weihnachtszeit in der Pfarre erlebbar machen? – Diese Frage war 2020 um vieles schwerer zu beantworten, als in anderen Jahren. Doch mit Geduld, Flexibilität und Spontanität konnte der Zauber, der dieser besonderen Zeit innewohnt, bei vielen Bewohnern unserer Pfarre geweckt werden.
Anders als sonst gestaltete sich das Adventkranzbinden – was sonst an mehreren gemütlichen, gemeinsamen Nachmittagen und Abenden geschah, war im November 2020 die Arbeit von mehreren fleißigen Frauen alleine zu Hause. Nach der nicht öffentlichen Weihe durch Dr. Isaac, konnten die vorbestellten Kränze am Samstag vor dem ersten Advent in der Kirche abgeholt werden. Ein herzliches Dankeschön an die Binderinnen – mit fast 30 verkauften Kränzen war diese Aktion ein voller Erfolg!
In einer spontanen Aktion wurden die Kinder in Erla mobilisiert, am 6.12. am späten Nachmittag, aus ihren Fenstern nach dem Nikolaus Ausschau zu halten, der heuer leider Pandemie-bedingt nicht in die Häuser kommen durfte. Auch diese Aktion wurde mit großer Dankbarkeit von den Kindern, ihren Eltern und Großeltern aufgenommen. Auch wenn der Nikolaus nichts Süßes bringen durfte, die Botschaft kam trotzdem an.
Eine prall gefüllte Kindermette in St. Pantaleon und eine ebenso volle Christmette in Erla? Undenkbar 2020 – hier muss nach Alternativen gesucht werden! Und tatsächlich im Zusammenspiel der Pfarren konnte für den hl. Abend eine Lösung gefunden werden, die vielleicht auch in Zukunft bestand haben könnte… Das Familienmess-Team setzte das Weihnachtsevangelium in den Mittelpunkt der Feiern, die um 15:00, 16:00 und 17:00 in Erla statt fanden. Zur gewohnten Zeit um 16:00 gab es in St. Pantaleon eine hl. Messe. Viele Menschen konnten daher bereits am Nachmittag Weihnachten in der Kirche feiern. Somit standen auch für die Besucher der Christmette ausreichend Plätze zur Verfügung. Neben dem Familienmesse-Team sei besonders Miriam und Jakob Watzlinger sowie Nina und Niklas Katzenschläger für die wunderschöne Gestaltung der Kinder- und Familienandacht gedankt.
Noch ein weiterer Fixpunkt der Weihnachtszeit stand auf der Kippe: Das Sternsingen. Unter dem Motto „Sternsingen, aber sicher!“ sollte es heuer durchgeführt werden. In Gruppen mit zwei Kindern und einem Begleiter zogen sechs unermüdliche Sternsinger durch Erla. Sie konnten einerseits über 1400€ an Spenden sammeln und andererseits an alle Haushalte die Informationen und Erlagscheine der Dreikönigsaktion verteilen. Danke!
Andreas Helm




„Alle suchen dich“
5. Sonntag im Jkr.: B 7. 2. 2021
Der Mensch ist ein Suchender
„Alle suchen dich“, so sagen die Jünger zu Jesus, nachdem sie selbst lange nach ihm gesucht hatten. Alle suchen Jesus Christus. Diese Feststellung können wir leider heute nicht mehr so machen.
Warum haben die Menschen Jesus gesucht? Weil sie gehört haben, dass er die Kranken heilen kann.
Die Sehnsucht nach Heil ist die Triebfeder der Menschen. Ich glaube, das ist heute gar nicht viel anders als damals.
Im Buchhandel kann man hören, dass die Bücher zum Thema Gesundheit die Verkaufsschlager sind. Wenn das Katholische Bildungswerk einen Vortrag zum Thema Gesundheit anbietet, dann ist meistens garantiert, dass der Saal voll ist. Bei einem rein theologischen Thema kommen meistens nur wenige.
Warum ist das so? Suchten die Menschen damals wirklich Jesus?
Alle suchen. Die beiden ersten Worte dieses Satzes im heutigen Evangelium, die stimmen ganz sicher. Alle suchen … alle sind auf der Suche – die Sehnsucht nach Glück, Geborgenheit und Beständigkeit, die treibt wohl alle Menschen mehr oder weniger heftig an. Der Mensch ist ein Leben lang auf der Suche. Die tiefste Triebfeder im Menschen ist die Sehnsucht, sagt uns die Dichterin Nelly Sachs, wenn sie es so formuliert. „Alles beginnt mit der Sehnsucht.“
Aber, ob in Jesus Christus unsere Sehnsucht, unsere Suche ein Ziel erkennen kann, das ist eine Frage, die jeden von uns angeht.
Das Evangelium heute berichtet: Da haben die Menschen großartige Zeichen vom Herrn gesehen. Jesus heilt die Schwiegermutter des Petrus, die mit Fieber im Bett liegt. Die Leute bringen die Kranken und Besessenen zu Jesus und er heilt viele. Der Andrang wird so groß, dass er schon in aller Früh aufbricht und sich in die Stille zurückzieht. Daher machen sich die Jünger auf die Suche nach ihm und sie berichten ihm: „Alle suchen dich!“
Seien wir ehrlich: Wenn heute irgendwo so ein Guru auftritt, der Heilung verspricht, dann laufen ihm auch die Massen nach. Alle sehnen sich nach Heilung. Das Gott uns Heil verspricht, haben wir Menschen vielfach vergessen. Oder anders ausgedrückt. Erleben die Menschen an den Christen heute, dass Jesus Heil schenkt. Sie kennen das Zitat von Friedrich Nietzsche: „Die Christen müssten erlöster ausschauen, damit ich ihrer Botschaft glauben könnte!“
Ja, warum sieht man den Christen die Erlösung nicht an? Weil sie nicht das Glück und Heil bei Gott, sondern das Glück und Heil in dieser Welt suchen. Das Heil der Welt als oberste Maxime muss den Menschen immer wieder enttäuschen, weil es sehr begrenzt, ja nur endlich ist.
Die heutige Lesung aus dem Buch Ijob sagt uns das sehr eindringlich. Sie müsste uns eigentlich vom Hocker reißen: „Unser Leben ist nur ein Hauch. Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin.“
Ist das nicht die Erfahrung, die viele machen, wenn sie älter werden und ein wenig innehalten und ihr Leben bedenken. „Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin.“
Von Jesus hören wir heute im Evangelium. Die Leute suchen ihn, weil er in aller Frühe in die Einsamkeit gegangen ist, um zu beten, um mit Gott Zwiesprache zu halten.
Jesus lädt uns heute ein. Vergesst nicht, immer wieder inne zu halten, die Seele nachkommen zu lassen, das Leben immer wieder neu zu orientieren an dem, der allein unserem Leben Heil und Heilung schenken kann.
Dort wo der Faden meines Lebens ausgeht, da streckt Gott mir seine Hand entgegen. Und ich darf sie ergreifen. Das gibt mir Halt. Das erfüllt mich mit Freude.
Auch wenn ihn heute nicht mehr alle suchen. Wer Gott sucht, von dem wird er sich finden lassen. Gott lässt keinen im Stich, der sich ehrlich nach ihm auf die Suche macht. Ist das nicht ungeheuer tröstlich? Macht nicht diese Zusage unser Leben erst wirklich reich?
Pfarrer i.R. Johann Zarl
Messdienste ab 7. Februar 2021
Messdienste März 2021




