{"id":4260,"date":"2021-02-12T16:51:14","date_gmt":"2021-02-12T15:51:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kj-valentin.at\/wp_pfarrevalentin\/?p=4260"},"modified":"2021-02-12T16:51:16","modified_gmt":"2021-02-12T15:51:16","slug":"impuls-6-sonntag-im-jahreskreis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kj-valentin.at\/wp_pfarrevalentin\/impuls-6-sonntag-im-jahreskreis\/","title":{"rendered":"Impuls 6. Sonntag im Jahreskreis"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Impuls 6. Sonntag im Jahreskreis B<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Evangelium: Mk 1, 40-45<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Abstand halten<\/h1>\n\n\n\n<p>\u201eAbstand halten.\u201c hatte der Priester gesagt und war einen Schritt zur\u00fcckgetreten. \u201eAbstand halten.\u201c Die Worte dr\u00f6hnten in seinen Ohren. Wie in Zeitlupe waren in diesem Augenblick die letzten Wochen an ihm vor\u00fcbergezogen. Angefangen hatte es damit, dass ein Kollege ihn gemustert hatte und meinte: \u201eDu hast da etwas.\u201c \u201eDu musst zum Priester und es zeigen. So steht es bei Mose im Gesetz. Der Priester muss es ansehen. Er muss entscheiden, was es ist und ob du rein bist oder unrein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So war es bei ihnen \u00fcblich. War die Haut ver\u00e4ndert wurde ein Mensch unter Generalverdacht gestellt. Es konnte alles sein, nat\u00fcrlich. Es konnte auch ganz harmlos sein. Aber es konnte eben auch die Krankheit sein, Aussatz.<\/p>\n\n\n\n<p>War es Aussatz, dann w\u00fcrden die Stellen auf der Haut immer mehr und gr\u00f6sser werden. Er w\u00fcrde keinen Schmerz mehr f\u00fchlen. Keine W\u00e4rme. Keine K\u00e4lte. Keine Ber\u00fchrungen. Er w\u00fcrde langsam von der Krankheit aufgefressen werden. Aussatz. Das war ein Todesurteil, das \u00fcber Jahre vollstreckt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hatte sich dem Priester gezeigt. Nach einer Woche nochmals. Und dann hatte ihn der Priester durchdringend angesehen. \u201eDu bist unrein. Du hast Aussatz. Du darfst dich anderen Menschen nicht n\u00e4hern. Du musst au\u00dferhalb des Dorfes leben. Du musst andere Menschen vor dir warnen. Du musst Abstand halten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Quarant\u00e4ne lebensl\u00e4nglich. Ab sofort. Er lebte noch. Aber f\u00fcr die anderen in seinem Dorf war er mit diesem Tag gestorben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich will er keinen anstecken. Nat\u00fcrlich ist es sinnvoll, Abstand zu halten. Es ist v\u00f6llig klar, dass keiner Menschenseele damit geholfen ist, wenn sich sein Leiden auf andere ausbreitet. Keine Frage, die Vorkehrungen und Vorsichtsma\u00dfnahmen sind l\u00e4stig. Na sicher, es ist logisch, dass sich nicht alle einig sind, wie gef\u00e4hrlich es jetzt wirklich ist, solange man nichts Genaueres wei\u00df. Und selbstverst\u00e4ndlich macht es Sinn, vorsichtig zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Angst in den Augen der anderen ist schlimm.<\/p>\n\n\n\n<p>Angst steckt an wie ein Virus. Die Verb\u00fcndete der Angst ist die Ratlosigkeit. Ihre Nahrung ist das Halbwissen. Das Tuscheln und Tratschen m\u00e4stet die Angst bis sie zu \u00fcberm\u00e4chtiger Gr\u00f6\u00dfe anschwillt. Mit Verschw\u00f6rungstheorien versteht sie sich blendend. Von Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeiten und von Augenma\u00df will sie nichts wissen. Gegen vern\u00fcnftige Argumente ist sie immun. \u201eDu bist eine Infektionsquelle\u201c, fl\u00fcstert die Angst, \u201eund kein Mensch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er h\u00e4lt Abstand. Kein H\u00e4ndesch\u00fctteln mehr. Keine K\u00fcsse zur Begr\u00fc\u00dfung. Keine Geselligkeit. Alles das, was bisher im Zusammenleben selbstverst\u00e4ndlich war, ist aufgehoben. Seine Sehnsucht nach N\u00e4he wird von Tag zu Tag gr\u00f6sser. Gerade in Not und Angst w\u00e4chst der Wunsch nach Ber\u00fchrungen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAbstand halten.\u201c Das war die Devise bis zu diesem Tag. An diesem Tag war f\u00fcr ihn alles anders geworden. Drau\u00dfen vor dem Dorf war ein Mensch unterwegs gewesen, wie so oft Menschen drau\u00dfen vor dem Dorf vorbeikamen. Er hatte Abstand gehalten und den anderen vor sich gewarnt, wie immer. Doch auf einmal h\u00e4lt er inne.<\/p>\n\n\n\n<p>Er, der schon lange nichts mehr gef\u00fchlt hatte, sp\u00fcrt es deutlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Soll er es wagen? Soll er sich n\u00e4hern? N\u00e4he ist ein Wagnis. Immer. Aber in seinem Fall gilt das besonders. Ihm ist, als h\u00e4tte der andere seine Antwort schon gesprochen, bevor er \u00fcberhaupt gedacht hat. Er n\u00e4hert sich. Er f\u00e4llt auf die Knie, bittet Jesus und sagt: Wenn du willst, kannst du mich rein machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus kommt ihm nahe. Er streckt seine Hand aus und ber\u00fchrt ihn. Das ist unvern\u00fcnftig. Er k\u00f6nnte sich anstecken. Es ist gegen alle geltenden Regeln. Das ist unglaublich. Durch Jesu Mitleid wird er wieder Mensch. Es ist unfassbar. Was f\u00fcr Menschen unm\u00f6glich ist, ist bei Gott m\u00f6glich. Da, wo Menschen zum Abstand gezwungen sind, l\u00e4sst sich Gott von der Not ber\u00fchren. Seine Liebe f\u00fcgt das, was zerbrochen war, wieder zusammen und macht Menschenseelen heil. Seine N\u00e4he verbindet, was getrennt war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Freude, gro\u00dfe Freude! Gott ist nah! Er hat es erfahren. So etwas kann kein Mensch f\u00fcr sich behalten. Auch er nicht. Seine Geschichte von der Ber\u00fchrung Gottes, die hat er weitergetragen und andere damit ber\u00fchrt. Er hat von Gottes N\u00e4he erz\u00e4hlt. Immer wieder und immer weiter. Bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Monika Gundendorfer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Impuls 6. 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