{"id":3516,"date":"2020-11-27T17:38:56","date_gmt":"2020-11-27T16:38:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kj-valentin.at\/wp_pfarrevalentin\/?p=3516"},"modified":"2020-11-27T17:39:46","modified_gmt":"2020-11-27T16:39:46","slug":"seid-wachsam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kj-valentin.at\/wp_pfarrevalentin\/seid-wachsam\/","title":{"rendered":"&#8222;Seid Wachsam&#8220; Gedanken zum ersten Adventsonntag"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u201eSeid Wachsam\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie von vielen bef\u00fcrchtet wurde, stehen der Advent und das Weihnachtsfest in diesem Jahr im Zeichen der Corona Pandemie. Seit einem Jahr w\u00fctet die Pandemie in der ganzen Welt und hat das t\u00e4gliche Leben der meisten Menschen v\u00f6llig durcheinander gebracht. Eine solche Erfahrung haben die wenigsten von uns mitgemacht, au\u00dfer vielleicht diejenigen, die den zweiten Weltkrieg miterlebt haben. Eine weltweite Pandemie gab es seit hundert Jahren nicht. Aber die Geschichte sagt uns, dass Seuche, Peste und Katastrophen immer ein Teil der Menschheitsgeschichte gewesen sind, und sie w\u00fcrden wohl auch in der gerechtesten und \u00f6kologischsten aller Welten vorkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Realit\u00e4t ist, dass wenn wir diesmal Advent und Weihnachten in einer anderen und m\u00f6glicherweise ged\u00e4mpften Form feiern, ganz anders als gew\u00f6hnlich, dann sind wir dem ersten Advent und Weihnachtsfest m\u00f6glicherweise ein wenig n\u00e4hergekommen. Der erste Advent war eine Zeit der Verwirrung, unter der ein junges Paar im r\u00f6mischen Pal\u00e4stina sein erstes Kind erwartete, das unter ziemlich mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden gezeugt wurde. Kurz vor der Geburt des Kindes wurde das Paar aufgefordert, eine m\u00fchsame Reise zu einem weit entfernten Ort zu unternehmen. Dort haben sie keine Unterkunft gefunden, und schlie\u00dflich fand die Geburt ihres ersten Kindes in einem Kuhstall statt. Das sagt uns jedenfalls die Bibel. Dieses Bild wird uns in diesen Tagen nicht fehlen. Der Befehl von Kaiser Augustus, dass sich jeder in seiner Heimatstadt registrieren soll, \u00e4hnelt den Corona-Regeln, die von Zeit zu Zeit erlassen werden. Die Welt, in die Jesus geboren wurde, ist nicht die Idylle, die wir zu Weihnachten um uns herum schaffen. Unsere Welt ist genauso ungerecht wie damals. Jesus ist mit einer Botschaft der Geschwisterlichkeit und Gerechtigkeit aufgetreten, damit \u201edas Volk, das in der Finsternis ging, ein helles Licht sah\u201c, wie der Prophet sagt. Weihnachten hat keine andere Botschaft als diese.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Evangelium vom ersten Adventssonntag spricht traditionell von der Endzeit. Es mag ziemlich verwirrend erscheinen. Sagt uns das nicht, dass wir die Zukunft mehr als die Vergangenheit in den Blick nehmen m\u00fcssen? \u2013 Die Zukunft der Menschheit, die Zukunft der Natur, die Zukunft unserer Kinder und so weiter? Obwohl die Sprache, die der Evangelist Markus hier benutzt, von der j\u00fcdischen Apokalyptik genommen ist und wir nicht damit vertraut sind wie die Christen in seiner Gemeinde, k\u00f6nnen wir etwas vom Aufruf zur Wachsamkeit lernen. Wir erwarten nicht so wie die ersten Christen die zweite Ankunft des Herrn, aber wir erwarten, dass irgendwann einmal unser Lebensweg zu Ende gehen wird, und als Christen glauben wir, dass wir Rechenschaft \u00fcber unser Leben abgeben m\u00fcssen. Seid wachsam, denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Wachsamkeit also lohnt sich. Aber im christlichen Sinne ist diese Wachsamkeit keine Passivit\u00e4t. Wir sind Knechte, die Vollmacht haben, mit bestimmten Aufgaben. Der Herr soll uns nicht schlafend antreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgaben haben wir viele, liebe Schwestern und Br\u00fcder. Dieser stille Advent und wahrscheinlich auch diese stille Weihnacht, wie wir in unserem beliebtesten Weihnachtslied singen, k\u00f6nnten uns dazu bewegen, \u00fcber unser Leben und unsere Aufgaben, die Gott uns anvertraut hat, zu reflektieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind nicht allein in dieser Welt. Wir sind Teil einer globalisierten Welt. Wir sind miteinander verbunden. Daher sollten wir wissen, dass diese Pandemie mittlerweile viel mehr ist als nur eine Pandemie. Sie ist zu einer globalen und vielschichtigen Krise geworden, in der sich ernsthafte Gefahren f\u00fcr die Gesundheit mit zahlreichen weiteren Folgen kombinieren und die Sicherheit, Wohlergehen und Entwicklung aller, einschlie\u00dflich unserer, gef\u00e4hrden. Es droht bald eine akute Armuts-Pandemie. Es bahnt sich eine dramatische Hunger-Pandemie an. Experten sch\u00e4tzen, dass 130 Millionen Menschen allein 2020 in Hunger und extreme Armut zur\u00fcckgeworfen werden. Die weltweiten Versuche, das Virus einzud\u00e4mmen, werden in vielen L\u00e4ndern bereits f\u00fcr versch\u00e4rfte staatliche Repressionen genutzt und f\u00fchren so zu einer Autoritarismus-Pandemie. Und indem sie Gro\u00dfmachtwettbewerb, Protektionismus und Null-Summen-Denken bef\u00f6rdert, provoziert die Coronakrise auch eine Pandemie des Nationalismus und Unilateralismus. Diese durch das Coronavirus verursachten Folge-Pandemien verst\u00e4rken sich wechselseitig und k\u00f6nnen so Entwicklungsfortschritte der letzten Jahrzehnte zunichtemachen, staatliche Fragilit\u00e4t weiterbef\u00f6rdern und sogar zum Brandbeschleuniger f\u00fcr gewaltsame Konflikte werden. Dies nicht zu merken, die Armen in der Welt im Stich zu lassen, w\u00e4re ein schwerer Irrtum. Denn die Folgen \u2013 in der Form von Staatszerfall, zunehmender Radikalisierung, und wachsenden Fluchtbewegungen \u2013 w\u00fcrden westliche Industrienationen bis in ihr Inneres sp\u00fcren. Solidarit\u00e4t zu \u00fcben, ist deshalb auch in unserem eigenen Interesse. Deshalb sage ich, dass der Aufruf zur Wachsamkeit viel konkreter ist, als wir uns vorstellen. Advent und Weihnachten in der Stille zu begehen, bieten uns eine Chance, unser Christsein heute zeichenhaft zu leben, indem wir versuchen, sie besinnlicher und bescheidener zu begehen, den Notleidenden solidarisch beizustehen und an der Pandemie-Bek\u00e4mpfung mit aller Kraft mitzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Isaac Padinjarekuttu<\/p>\n\n\n\n<p>Bild: kleiner-kalender.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSeid Wachsam\u201c Wie von vielen bef\u00fcrchtet wurde, stehen der Advent und das Weihnachtsfest in diesem Jahr im Zeichen der Corona Pandemie. Seit einem Jahr w\u00fctet die Pandemie in der ganzen Welt und hat das t\u00e4gliche Leben der meisten Menschen v\u00f6llig durcheinander gebracht. 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