{"id":2844,"date":"2020-09-04T13:18:32","date_gmt":"2020-09-04T11:18:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kj-valentin.at\/wp_pfarrevalentin\/?p=2844"},"modified":"2020-09-04T13:18:33","modified_gmt":"2020-09-04T11:18:33","slug":"heilige-und-suender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kj-valentin.at\/wp_pfarrevalentin\/heilige-und-suender\/","title":{"rendered":"Heilige und S\u00fcnder"},"content":{"rendered":"\n<p>Heilige und S\u00fcnder<\/p>\n\n\n\n<p>23. Sonntag im Jahreskreis<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Wochen haben wir das Fest unseres Di\u00f6zesanpatrons Hippolyt von Rom gefeiert. Er war der erste \u201eGegenpapst\u201c in der Kirchengeschichte. Trotzdem verehrt die Kirche ihn als einen Heiligen. Der Grund daf\u00fcr ist, dass er sich sp\u00e4ter mit dem amtierenden Papst vers\u00f6hnte und beide als M\u00e4rtyrer starben. Der Grund der Streitigkeit war die Bu\u00dfpraxis in der r\u00f6mischen Gemeinde. In manchen Gemeinden gab es eine strenge Bu\u00dfpraxis, aber Rom war in dieser Hinsicht von Anfang an etwas nachsichtig. Hippolyt war dem konservativen Fl\u00fcgel zuzuordnen. Er hatte Anh\u00e4nger, und sie machten ihn zu ihrem F\u00fchrer und zum Gegenpapst.<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Franziskus wird nie m\u00fcde zu sagen, dass die Kirche keine Gemeinschaft der Vollkommenen ist, dass sie voller Menschen ist, die erkennen, dass sie S\u00fcnder sind. Aber in der Geschichte der Kirche gab es immer wieder Bewegungen, die die Kirche zu einer Gesellschaft der \u201eHeiligen\u201c und \u201eVollkommenen\u201c machen wollten und andere als S\u00fcnder ausschlossen. Wir haben also Bewegungen wie Montanismus, Novatianismus, Priscillianismus, Donatismus und viele andere, die von engagierten Christen angef\u00fchrt wurden. Sie haben eine rigoristische Position in Bezug auf die christliche Moral eingenommen und wollten keine Schw\u00e4chung ihrer Standards. Solche Gruppen entstanden auch in den sp\u00e4teren Jahrhunderten des Christentums, und die Tendenz gibt es auch heute. Sie behaupteten, dass sie dem Ideal der fr\u00fchchristlichen Gemeinschaft folgten, die als exklusive Gemeinschaft lebte und auf das zweite Kommen Christi wartete. Der heilige Augustinus gab das beste theologische Argument gegen diejenigen, die die Kirche als die Gemeinschaft der Vollkommenen betrachteten und die S\u00fcnder ausschlossen. Er sagte, dass das wahre Zeichen der Kirche nicht Heiligkeit, sondern Liebe sei und dass diejenigen, die die Kirche in S\u00fcnder und Heilige aufteilten, nicht ihre Heiligkeit zeigten, sondern ihre Lieblosigkeit. Er hat ja selbst die Erfahrung gemacht, was es hei\u00dft, ein S\u00fcnder zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im heutigen Evangelium ist von einer der fr\u00fchesten christlichen Gemeinden die Rede, in der es Menschen gibt, die S\u00fcnden begangen haben. Aber wie geht die Gemeinde damit um? Mit Nachsicht und Geduld. Der Ton ist positiv, unvoreingenommen und sachlich. Der Betreffende wird nicht mit dem Wort \u201aS\u00fcnder\u2018 bezeichnet, sondern als \u201aBruder\u2018. Zuerst ist ein Gespr\u00e4ch unter vier Augen zu f\u00fchren, dann sollen ein paar Zeugen hinzugezogen werden und dann die ganze Gemeinde. Und auch wenn dieser Versuch fehlschl\u00e4gt, soll man den Betreffenden in Ruhe lassen. Von Verurteilung und Verdammung ist keine Rede. Die Freiheit des Einzelnen, der sich nicht mehr als dazugeh\u00f6rig versteht, ist zu respektieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirche braucht, wie jede Institution, Ordnung, Disziplin und Regeln, um das Leben ihrer Mitglieder zu regeln. Aber die Kirche ist mehr als eine soziale Organisation. Es geht nicht nur um gutes Verhalten, sondern um die Realit\u00e4t der S\u00fcnde \/ des B\u00f6sen selbst. Wir m\u00fcssen zugeben, dass die Einstellung zur S\u00fcnde in der Kirche immer ein Problem war. Einst drangsalierten Seelsorger die Katholiken mit S\u00fcndenpredigten und st\u00fcrzten sie in H\u00f6llenangst, besonders, wenn es um Sexuelles ging. Die kirchlich erzeugten Neurosen haben ganze Generationen geplagt und viele aus der Glaubensgemeinschaft vertrieben. Andererseits kann aber niemand leugnen, dass es die S\u00fcnde analog zu das B\u00f6se gibt. Die Realit\u00e4t des B\u00f6sen sollte nicht leicht genommen werden. Es ist ein Teil von uns. Der heilige Paulus sagt im R\u00f6merbrief: \u201eDas Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das B\u00f6se, das ich nicht will, das vollbringe ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht mehr ich es, der es bewirkt, sondern die in mir wohnende S\u00fcnde\u201c (R\u00f6m 7,18b-21). Aber wir leben in einer Zeit, in der dieses Bewusstsein praktisch verschwunden ist. Oder wir unterdr\u00fccken es, und wenn es in unserem Leben ausbricht, versuchen wir, die Schuld woanders zu sehen, und dabei trennen wir uns von anderen. Es gibt Arroganz und sogar Verachtung gegen\u00fcber anderen in diesem Verhalten. Und damit sind wir bereits Teil des Netzwerks des B\u00f6sen in der Welt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Verhalten hat einen Namen: \u201eUnschuldswahn\u201c. Es braucht schon geh\u00f6rige Willensst\u00e4rke, zu dem zu stehen, was ich selbst Unrechtes getan und verbrochen, worin ich selbst versagt habe, nicht ein anderer. Die Seelsorge hat sich auch dem Weichsp\u00fclen angepasst, indem sie es m\u00f6glichst vermeidet, individuelle, subjektive S\u00fcnde noch als solche zu benennen, um vielleicht nicht auch die Letzten zu verprellen. Man meint es der Gesellschaft schuldig zu sein, nur das Gef\u00e4llige, Allerweltliche, Naheliegende zu sagen, und dem Kulturbetrieb nichts Irritierendes zuzumuten. Daher ist es wichtig, \u00fcber S\u00fcnde, Umkehr, Vers\u00f6hnung, Bekehrung usw. als Teil einer sinnvollen Seelsorge zu reden, aber das bedeutet nicht, dass wir die Menschen einsch\u00fcchtern, was nur negative Auswirkungen haben wird. Die Matth\u00e4usgemeinde hat uns etwas zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Isaac Padinjarekuttu<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heilige und S\u00fcnder 23. Sonntag im Jahreskreis Vor einigen Wochen haben wir das Fest unseres Di\u00f6zesanpatrons Hippolyt von Rom gefeiert. Er war der erste \u201eGegenpapst\u201c in der Kirchengeschichte. Trotzdem verehrt die Kirche ihn als einen Heiligen. Der Grund daf\u00fcr ist, dass er sich sp\u00e4ter mit dem amtierenden Papst vers\u00f6hnte und beide als M\u00e4rtyrer starben. 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