{"id":2279,"date":"2020-05-20T21:44:00","date_gmt":"2020-05-20T19:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kj-valentin.at\/wp_pfarrevalentin\/?p=2279"},"modified":"2020-05-20T22:20:26","modified_gmt":"2020-05-20T20:20:26","slug":"impuls-zu-christi-himmelfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kj-valentin.at\/wp_pfarrevalentin\/impuls-zu-christi-himmelfahrt\/","title":{"rendered":"Eigentlich geht es um einen Abschied&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><u>Christi Himmelfahrt:<\/u><\/strong> 21.5.2020<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben in \u00d6sterreich das Gl\u00fcck, den heutigen Donnerstag als Feiertag begehen zu d\u00fcrfen. Das ist eine gute Sache. Aber Feiertage sind dazu da, um zu feiern! Meine Frage: wissen die Leute \u00fcberhaupt, was wir heute feiern?<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich geht es um einen Abschied. <strong>Christus geht endg\u00fcltig fort!<\/strong> 40 Tage nach seiner Auferstehung, kehrt der Herr in den Himmels heim. Jesus wird vor den Blicken der J\u00fcnger verh\u00fcllt und entschwindet. Ja, man sp\u00fcrt richtig, wie verlassen und einsam die Apostel pl\u00f6tzlich dastehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein \u00e4hnliches Verlassensein habe ich als kleiner Bub einmal gesp\u00fcrt, wie mich meine Eltern im Seminar in Seitenstetten besucht haben. Damals durften wir ja nur 4 mal im Jahr nach Hause fahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis heute ist mir in Erinnerung geblieben, wie ich nach einem Besuch mit meinen Eltern zum Zug gegangen bin. Wie der Zug abgefahren ist, habe ich ihm lange nachgeschaut, bis er schlie\u00dflich am Horizont verschwunden war. Dann bin ich armselig und verlassen alleine am Bahnhof dagestanden und Tr\u00e4nen sind geflossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sp\u00fcre solche Verlassenheit als Pfarrer sehr h\u00e4ufig bei den Menschen beim Begr\u00e4bnis, wenn der Sarg in das Grab gesenkt wird oder das Auto mit dem Leichnam wegf\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sp\u00fcre solche Verlassenheitsgef\u00fchle heute auch oft in der Kirche. Bei manchen Ereignissen in der Kirche, wo die Verantwortlichen oft so hilflos agieren, bei der fortschreitenden S\u00e4kularisierung, beim Priestermangel. Vieles lie\u00dfe sich hier aufz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob Sie mir zustimmen, aber ich denke, wir Christen stehen heute auch ein bisschen erstarrt da: <strong>erstarrt in Frustration, Selbstmitleid und Sentimentalit\u00e4t!<\/strong> Wie damals die J\u00fcnger: verlassen und perplex, ein H\u00e4uflein Elend. Damals musste sogar ein Engel die erstarrten J\u00fcnger ermahnen: \u201eWas steht ihr da und starrt zum Himmel!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was machen wir gegen das Erstarren?<\/em><\/strong> Wenn wir auf die J\u00fcnger damals schauen, k\u00f6nnten wir etwas lernen. Die machen n\u00e4mlich etwas sehr wichtiges: Gerade da, wo sie sich von Jesus verlassen f\u00fchlen, gehen sie einfach in den Abendmahlssaal zur\u00fcck und beginnen zu beten. Mir f\u00e4llt auf, dass die nicht viel lamentieren und nicht viel debattieren. Nein, <strong>die beten einfach!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die J\u00fcnger damals beten. Sie beten mit Maria, mit den anderen Frauen, beten gemeinsam und intensiv. Wo Jesus abwesend scheint, da muss um seine Gegenwart gebetet werden! Denn er hat ja vor seinem Abschied versprochen: \u201e<strong><em>F\u00fcrchtet euch nicht: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201eIch lasse euch nicht als Waisen verlassen zur\u00fcck! Ich werde einen Beistand senden, der euch in die ganze Wahrheit einf\u00fchren wird.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neun Tage betet damals diese Urkirche, es ist die erste Novene, das erste neunt\u00e4gige Gebet. Sie k\u00f6nnen das leicht nachrechnen: Von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten sind es 9 Tage.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was bewirkt dieses Gebet? <strong>Etwas Gro\u00dfartiges!<\/strong> Am Ende wird sich der Himmel \u00f6ffnen: und zwar <strong>im Sturm und feuriger Begeisterung<\/strong>! Das ist<strong> Pfingsten<\/strong>. <strong>Das Fest des offenen Himmels, das Fest der Kraft des Geistes Gottes.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder! Wenn wir auf Pfingsten schauen, verstehen, wir, warum Christus in den Himmel aufgefahren ist: Jesus ist in die Ewigkeit des Himmels heimgekehrt, um anders bei uns zu sein: Durch seinen Geist. Durch die Kraft dieses Geistes bleibt Christus in seiner Kirche. Schluss mit der innerkirchlichen Lamentiererei, Schluss mit den Frustrationen: Christus hat uns nicht wirklich verlassen, er wird seine Kirche nie verlassen!<\/p>\n\n\n\n<p>Als kleiner Bub damals stand ich ziemlich verlassen am Bahnhof. <strong>Was habe ich gemacht?<\/strong> Ich ging in das Seminar zur\u00fcck und tat das, was mich meine Mutter immer gelehrt hat, was wir jedesmal taten, wenn ich von zu Hause fortgefahren bin. Die ganze Familie, auch am Sonntag, wenn das Gasthaus voll war und die Leute warten mussten. <strong>Da gingen wir zur Marienstatue im Schlafzimmer der Eltern und haben dort gemeinsam gebetet.<\/strong> Und das war immer sehr beruhigend und tr\u00f6stend.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau das habe ich damals auch gemacht. Ich ging ins Seminar zur\u00fcck in die Kapelle und ich habe dort vor der Marienstatue gebetet. Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. Aber irgendwie war dort die Verlassenheit vorbei. Ich glaube schon, dass mir das meine Eltern beigebracht haben und ich es dort gesp\u00fcrt habe: Wo gebetet wird, wird Gott sp\u00fcrbar und gegenw\u00e4rtig. Wo gebetet wird, wird alles gut! Wer betet, ist nie allein!<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sollten wir uns darauf auch in dieser Coronazeit wieder erinnern. Es hilft mindestens so gut wie das beste Desinfektionsmittel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche ihnen einen zuversichtlichen Christi Himmelfahrtstag!<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Johann Zarl <em>Pfarrer i R.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christi Himmelfahrt: 21.5.2020 Wir haben in \u00d6sterreich das Gl\u00fcck, den heutigen Donnerstag als Feiertag begehen zu d\u00fcrfen. Das ist eine gute Sache. Aber Feiertage sind dazu da, um zu feiern! Meine Frage: wissen die Leute \u00fcberhaupt, was wir heute feiern? Eigentlich geht es um einen Abschied. 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