{"id":1948,"date":"2020-04-08T09:18:46","date_gmt":"2020-04-08T07:18:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kj-valentin.at\/wp_pfarrevalentin\/?p=1948"},"modified":"2020-04-12T19:44:00","modified_gmt":"2020-04-12T17:44:00","slug":"gott-und-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kj-valentin.at\/wp_pfarrevalentin\/gott-und-corona\/","title":{"rendered":"GOTT UND CORONA"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Isaac\nPadinjarekuttu<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Fragen, die\nsich selbst die religi\u00f6sesten Menschen heutzutage stellen sind: Warum passiert\ndas? Wo ist Gott in all dem? Dies sind im Wesentlichen die gleichen Fragen, die\nMenschen stellen, wenn ein Hurrikan Hunderte von Menschenleben ausl\u00f6scht oder\nwenn ein Erdbeben ganze St\u00e4dte in wenigen Sekunden platt macht und Tausende von\nMenschen t\u00f6tet oder ein einzelnes Kind an Krebs stirbt. Es wird das\n&#8222;Problem des Leidens&#8220;, &#8222;das Geheimnis des B\u00f6sen&#8220; oder die\n&#8222;Theodizee&#8220; genannt, und es ist eine Frage, mit der sich Heilige und\nTheologen seit Jahrtausenden auseinandergesetzt haben, aber ohne eine\nbefriedigende Antwort. Die Frage des \u201enat\u00fcrlichen\u201c Leidens (an Krankheiten oder\nNaturkatastrophen) unterscheidet sich von der des \u201emoralischen \u00dcbels\u201c (bei dem\ndas Leiden aus den Handlungen des Einzelnen oder Gruppen resultiert \u2013 denken\nSie an Hitler und Stalin). Abgesehen von theologischen Unterscheidungen\nbesch\u00e4ftigt die Frage jetzt Millionen von Gl\u00e4ubigen, die t\u00e4glich konfrontiert\nsind mit der stetig steigenden Zahl der Todesopfer des Coronavirus, mit\nGeschichten von \u00c4rzten, die gezwungen sind, auszuw\u00e4hlen zwischen Patienten, die\neine Lebenschance haben, und solchen, bei denen das nicht mehr der Fall ist,\nund mit Fotos von Sargreihen. Warum? <\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe der\nJahrhunderte wurden viele Antworten \u00fcber nat\u00fcrliches Leiden angeboten, die alle\nauf irgendeine Weise mangelhaft waren. Am h\u00e4ufigsten h\u00f6rt man, dass Leiden ein\nTest, eine Pr\u00fcfung ist. Das Leiden pr\u00fcft unseren Glauben und st\u00e4rkt ihn: \u201eNehmt\nes voll Freude auf euch, meine Br\u00fcder und Schwestern, wenn ihr in mancherlei\nVersuchungen geratet! Ihr wisst dass die Pr\u00fcfung eures Glaubens Geduld\nbewirkt&#8220;, hei\u00dft es im Jakobusbrief im Neuen Testament. Eine solche\nErkl\u00e4rung kann in kleinen Pr\u00fcfungen hilfreich sein, aber sie scheitert an den\nschmerzhaftesten menschlichen Erfahrungen. Sendet Gott Krebs, um ein kleines\nKind zu \u201etesten\u201c? Die Eltern des Kindes lernen vielleicht etwas \u00fcber Ausdauer\noder Glauben, aber dieser Ansatz kann Gott zu einem b\u00f6sen Monster machen.<\/p>\n\n\n\n<p>So auch das\nArgument, dass Leiden eine Bestrafung f\u00fcr S\u00fcnden ist, ein immer noch\nverbreiteter Ansatz unter einigen Gl\u00e4ubigen (die normalerweise sagen, dass Gott\nMenschen oder Gruppen bestraft, die sie selbst missbilligen). Aber Jesus selbst\nlehnt diesen Ansatz ab, wenn er einem blinden Mann begegnet, wie im\nJohannesevangelium erz\u00e4hlt wird. Die J\u00fcnger fragen: &#8222;Rabbi, wer hat\nges\u00fcndigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde?&#8220;\n&#8222;Weder er noch seine Eltern haben ges\u00fcndigt, sondern die Werke Gottes\nsollen an ihm offenbart werden&#8220;, antwortet Jesus. Dies ist Jesu endg\u00fcltige\nAblehnung des Bildes eines monstr\u00f6sen Gottes. Im Lukasevangelium sagt Jesus\n\u00fcber die Menschen, die beim Einsturz des Turms am Schiloach erschlagen wurden:\n&#8222;Meint ihr, dass sie gr\u00f6\u00dfere Schuld auf sich geladen hatten als alle\nanderen Einwohner von Jerusalem? Nein, sage ich euch.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende lautet die\nehrlichste und genauester Antwort auf die Frage, warum das Covid-19-Virus\nTausende von Menschen t\u00f6tet, warum Infektionskrankheiten die Menschheit\nverw\u00fcsten und warum es \u00fcberhaupt Leiden gibt: Wir wissen es nicht. Man k\u00f6nnte\nauch vorschlagen, dass Viren Teil der nat\u00fcrlichen Welt sind und in irgendeiner\nWeise zum Leben beitragen, aber dieser Ansatz scheitert bitter, wenn man mit\njemandem spricht, der einen Freund oder einen geliebten Menschen verloren hat.\nEine wichtige Frage f\u00fcr den Gl\u00e4ubigen in Zeiten des Leidens lautet: Kannst du\nan einen Gott glauben, den du nicht verstehst? Aber wie Augustinus sagte: Wenn\ndu es verstehst, ist es nicht Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn das\nGeheimnis des Leidens nicht zu beantworten ist, wohin kann der Gl\u00e4ubige in\nZeiten wie diesen gehen? F\u00fcr die Christen und vielleicht sogar f\u00fcr andere ist\ndie Antwort: Jesus. Christen glauben, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch\nist. Dennoch \u00fcbersehen wir manchmal den zweiten Teil. Jesus von Nazareth wurde\nin eine Welt der Krankheit hineingeboren, viel schlimmer als unsere heutige\nWelt. Exegeten, die sich mit dem historischen Hintergrund Jesu besch\u00e4ftigt\nhaben, sagen uns, dass in den Zeiten Jesu ein Fall von Grippe, Erk\u00e4ltung oder\nZahnabszess definitiv t\u00f6ten konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus\nsuchte Jesus in seinem \u00f6ffentlichen Dienst st\u00e4ndig diejenigen auf, die krank\nwaren. Die meisten seiner Wunder waren Heilungen von Krankheiten und\nBehinderungen: Hauterkrankungen (unter der \u00dcberschrift \u201eLepra\u201c), Epilepsie, der\n\u201eBlutfluss\u201c einer Frau, eine verdorrte Hand, \u201eWassersucht\u201c, Blindheit,\nTaubheit, L\u00e4hmung usw. In diesen be\u00e4ngstigenden Zeiten k\u00f6nnen Christen Trost\nfinden, wenn sie wissen, dass sie, wenn sie zu Jesus beten, zu jemandem beten,\nder sie nicht nur versteht, weil er g\u00f6ttlich ist und alle Dinge wei\u00df, sondern\nweil er menschlich ist und alle Dinge erlebte. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch diejenigen,\ndie keine Christen sind, k\u00f6nnen ihn als Vorbild f\u00fcr die Pflege der Kranken\nsehen. Es ist unn\u00f6tig zu erw\u00e4hnen, dass bei der Pflege von Personen mit\nCoronavirus die erforderlichen Vorsichtsma\u00dfnahmen getroffen werden sollten, um\ndie Infektion nicht weiterzugeben. Aber f\u00fcr Jesus war der Kranke oder Sterbende\nnicht der \u201eAndere\u201c, nicht einer, der beschuldigt werden sollte, sondern unser\nBruder und unsere Schwester. Als Jesus Menschen in Not sah, sagen uns die\nEvangelien, hatte er Mitleid mit ihnen. Er ist ein Vorbild daf\u00fcr, wie wir uns\nin dieser Krise k\u00fcmmern sollen: von Herzen, mit Mitleid. Das betrifft nicht nur\ndie erkrankten Menschen, sondern alle, die in vielf\u00e4ltiger Weise darunter\nleiden. Vielleicht sagt Jesus uns: \u201eWarum habt ihr solche Angst, ihr\nKleingl\u00e4ubigen?\u201c (Adaptiert\nvon James Martin SJ, \u201eWhere is God in a Pandemic\u201c: NYT, 22.03.2020)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Isaac Padinjarekuttu Zwei Fragen, die sich selbst die religi\u00f6sesten Menschen heutzutage stellen sind: Warum passiert das? Wo ist Gott in all dem? 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